Michelsenschule Hildesheim - Gott (2009)

Gott (2009)

„Ich bin Hepatitis und das ist Diabetes. Wir sind alte Griechen." - Mit diesen Worten stellen sich die beiden Hauptfiguren des Theaterstücks einer jungen Dame aus dem Publikum vor. Dieser satirisch-komische Satz wurde von Woody Allen verfasst. Genau wie der Rest des Stückes, das die Schüler der Michelsenschule am Sonntag, 15. März, Mittwoch, 18. März, und Freitag, 20. März, inszeniert haben.

Unter der Leitung der Lehrer Thomas Benner und Ricarda Sohr hat das Team der Michelsen-Theater-AG das Broadwaystück neu interpretiert und ein leuchtendes Werk der Komödie geschaffen, das dennoch tiefgründige philosophische Fragen aufwirft. Alte Figuren nach Woody Allen sind wiederbelebt und parodiert worden  wie die Damen Schicksal und Zufall, dem überdrehten Händler Trichinosis und dem bis zur Unverständlichkeit sächselnde Göttervater Zeus. In dem Stück wünscht sich der Autor Hepatitis nicht sehnlicher als beim Athener Dramatiker-Festival zu gewinnen. Doch das Dilemma: Ihm fällt kein Schluss ein. Und was ist ein Theaterstück ohne Schluss? Nichts.

Und genau mit diesem Problem beschäftigt sich das ganze Stück. Denn niemanden fällt ein Ende ein, weder Hepatitis selbst, noch dem erfolglosen Schauspieler Diabetes, auch nicht der Sportstudentin Doris, die aus dem Publikum in das Stück involviert wird. Erst der deus ex machina des Händlers Trichinosis kann die verzwickte Lage ändern, sodass Diabetes, Hepatitis und Doris, der inzwischen eine Rolle in dem Theaterstück im Theaterstück zugeschneidert wurde, doch noch das Stück in Athen vorspielen können.

Die Dramaturgie des Stückes spielt in typischer Allen-Manier mit dem Absurden. Die sonst so festen Grenzen zwischen Theater und Realität verschwimmen, indem Personen aus demPublikum plötzlich Teile des Stückes werden. Auch der überraschende Auftritt der Lorielle Miller, Autorin ihres Zeichens, lässt das ohnehin verzerrte Knäuel aus Realität und Theater noch weiter verwirren. Die Zuschauer vor der Bühne sind nicht nur Teil des Stücks im Stück, sondern vielmehr Schauspieler in einer unweit größeren, kosmischen Inszenierung des Lebens. Da stellt sich die Frage, ob die Menschen für ihr Handeln allein verantwortlich sind oder es doch eine viel größere Macht gibt.

Diese und viele andere Fragen ziehen sich wie ein philosophischer roter Faden durch das gesamte Werk. „Was ist wirklich?", „Ist Freiheit Chaos?" und nachdem der deus-ex-machina-Zeus während der Aufführung des Theaterstück bei dem  Athener Dramatiker-Wettbewerb irreparabel beschädigt worden ist, der Ausruf „Gott ist tot!" , allesamt Fragen, die wir uns heutzutage viel zu selten stellen. Vielleicht ist dies die Aussage von Woody Allens Stück „Gott". Eine Aussage, die die Menschen dazu bringen soll, über sich, das Leben und Gott nachzudenken. Denn die Hauptfrage des Theaterstücks wurde noch nicht gestellt: „Gibt es einen Gott?"

Eine Frage auf die jeder selbst eine Antwort finden soll, doch die des Stückes ist - wie immer - komisch verpackt, „Ja".

Christopher Kurau (10.1)