Michelsenschule Hildesheim - HAZ berichtet

Auf Ruf Mord

Theatertradition der Michelsenschule wird erfolgreich fortgesetzt

 

HILDESHEIM. Das Theaterspiel hat an der Michelsenschule langjährige Tradition. „Mord!?!" ist der Titel der jüngsten Uraufführung. Wie der Titel schon verrät, handelt es von einem gewaltsamen Tod, geschehen in einer x-beliebigen Kleinstadt, in der schneller geredet und verurteilt wird, als vielleicht gut ist. Denn wer sagt eigentlich, dass es Mord war?

Die vermeintlichen Zeuginnen Elfriede, Luise und Auguste, amüsant und lebensnah dargestellt von Mirja Krolop, Anna Grefe-Huge und Michelle Biermann, haben mehr mit sich und ihrer Wirkung auf Männer zu tun, als dass man ihrem Gerede Glauben schenken möchte. Zudem fehlen sowohl die Tatwaffe, ein Hammer, als auch die Leiche, der Ehemann (Minh-Tuan Dong) der Angeklagten Frau Miller (Charlotte Soppa). Doch ist dieser Mangel an Beweisen nicht Beweis genug? Und so gerät Frau Miller dank absurder Anschuldigungen seitens der Ermittler, durch den unaufhaltsamen Tratsch der Nachbarn sowie das Misstrauen ihrer eigenen Freundinnen rasch ins gesellschaftliche Abseits. 

Mörderin oder unschuldig? Der Kommissar, dessen Rolle von Frederic Wippern als eine Collage aus den Legenden James Bond und Sherlock Holmes gespielt wird, kann den Fall nicht lösen. Blümchen, seine Sekretärin, ist die Erste, die den Tatverdacht in Frage stellt. Joanna Stone wächst damit über ihre Rolle als dümmliche Tippse hinaus und bricht das Klischee, welches sie sich am Vorbild Marilyn Monroe erarbeitet hat. Nur hört ihr niemand zu - genau wie Miss Geheim (Vroni Riepl-Bauer), einer Figur, die während des Stückes mehrmals auftaucht und offenbar etwas sehr Wichtiges zu sagen hat. Doch die Hausmeisterin (Elisabeth Bartels) schickt sie immer wieder fort und träumt weiter vom ganz großen Kriminalfall. Die in dieser Figur angelegte Reflexionsebene wird vor allem für das jüngere Publikum mittels einer Parallele zum beliebten Kinder- und Jugendhörspiel TKKG zugänglich gestaltet. Zudem zitiert Bartels mit der A-cappella-Darbietung von „Lasse redn" (Die Ärzte) einen wichtigen Teil Jugendkultur und eine aktuelle Bearbeitung des zentralen Themas. 

Dass sich Miss Geheim am Ende als die Person gewordene Wahrheit entpuppt, ist umso programmatischer für die Kernaussage des Stückes: Wenn man ausschließlich das sieht, was man sehen will, kann das nur in die Irre führen. Neben dem künstlerischen Probenprozess, so Ricarda Sohr (Regie), wurde auch darüber gesprochen, „was passiert, wenn jemand etwas in die Welt setzt, das nicht stimmt, und wie man damit umgehen muss". Das Theaterstück ist in gemeinschaftlicher Arbeit zwischen Schülern der 10. und 11. Klassen sowie Lehrern der Michelsenschule entstanden. Ideen für Szenen und Dialoge wurden von beiden Seiten eingebracht und „entweder am Tisch sitzend oder im Spiel" weiterentwickelt, beschreibt Sohr die Probenarbeit. „Das sind immer auch Prozesse, die in eine Sackgasse führen können", fügt Thomas Benner (Regie) hinzu. Das sei manchmal hart, vor allem weil das Projekt als Theater-AG vollständig in der Freizeit gestemmt wurde. „Aber auf der anderen Seite haben wir dann Ergebnisse, hinter denen wir alle stehen." Entsprechend begeistert ist die Stimmung nach der Aufführung. Alle zeigen sich zufrieden mit der Premiere, und Wippern resümiert: „Lacher waren da. Und es ist natürlich eine Erleichterung, wenn es den Leuten gefällt." 

Quelle: Jacqueline Moschkau, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 23.02.2010