Michelsenschule Hildesheim - Unsere kleine Horrorstadt (2013)

Unsere kleine Horrorstadt

Begeisterter Beifall empfängt die Schülerinnen und Schüler der Theater-AG der Mittelstufe nach der Premiere des Stücks „Unsere kleine Horrorstadt“ am 1. Dezember 2013. Mit dem Stück, das an das Musical „Der kleine Horrorladen“ erinnert, überzeugen die Schülerinnen und Schüler der Michelsenschule, neben einer eigenmächtig handelnden Pflanze, in ihren Rollen der Stadtbewohner, die das Publikum durch ihre komödiantische Interpretation der Figuren in ihren Bann ziehen. 

Der erste Schauspieler betritt die Bühne und schnell tauchen die Zuschauer in das Geschehen der Kleinstadt Schönwalde mit all ihren Problemen ein. Der Müllmann, in dessen Rolle Tim Mäneke überzeugt, streikt und der schöne Marktplatz versinkt im Müll. Nach und nach tummeln sich die hiesigen Stadtbewohner auf dem Marktplatz, die diesen mit Leben füllen: ob es zwei rüpelhafte Bauarbeiter sind, die bei einem laut aufploppenden Bier pausieren (Steffen Jüttner und Henner Sandvoß), Frau Kurze (Nadin Rautenberg) und Frau Schrubidus (Clara-Pauline Philipps), „die High-Society“ der Stadt, sich über die fehlenden Parkmöglichkeiten beschweren oder zwei Teenager (gespielt von Merle Raulfs und Lea Stratmann) über zu machende oder nicht zu machende Hausaufgaben philosophieren – sie alle zeichnen ein Bild von einer ganz und gar nicht langweiligen Stadt. Nicht zu schweigen von dem sich ständig beschwerenden Stadtältesten (überzeugend gespielt von Fabian Rood) oder der sympathischen Frau Pfennig (Jule Günther) – beide mit mehr oder weniger starken Gehproblemen bedacht –, die sich schnell zu heimlichen Publikumslieblingen entpuppen.

Das Müllproblem in der Stadt ist in aller Munde, doch bald hat der etwas zerstreute, aber dennoch geniale Professor Schrubidus (hervorragend gespielt von Jonathan Otto) die Lösung für das Problem: eine frisch erfundene Müll komprimierende Maschine, die es möglich macht, den ganzen Müll der Stadt auf ein Minimum einzuschrumpfen. Der streikende Müllmann fühlt sich nutzlos, während die restlichen Stadtbewohner gebannt die Funktionalität der neuen Erfindung begutachten. Doch es kommt anders als vom Professor geplant: Die Maschine spuckt nicht die geplante Kugel an Müll aus, sondern einen merkwürdig anmutenden kleinen Baum.

Wie merkwürdig würde sich schon bald herausstellen, denn der Baum wächst über Nacht auf seine doppelte Größe an... und in der Nacht darauf noch einmal... und das Müllproblem der Stadt scheint wie von selbst zu verschwinden. In einer gekonnten Tanzeinlage feiern die Bewohner der Stadt ihren neuen Baum den „Feed-me-1000“, der sich von ihrem Müll ernährt. Doch spätestens als der gesamte Biervorrat von dem Müllmann Oskar geklaut und sämtliche Aluverpackungen der Stadt fehlen, sind Bürgermeisterin und die Bürger in Alarmbereitschaft versetzt. Der ominöse und großartig in Szene gesetzte Baum hat ein Eigenleben entwickelt und wird verdächtigt! Auch für die Presse ein gefundenes Fressen, die auf der Suche nach neuen Sensationen in das kleine Städtchen Schönwalde reist (überzeugend gespielt von Chiara Jachnow und Tatja Wilcke-Kluge) und die sehr auf Außenwirkung bedachte Bürgermeisterin noch mehr aus der Ruhe bringt, in deren Rolle Meeri Beste überzeugt. Während die Bewohner der Stadt sich für die Presse gekonnt in Szene setzen, treibt der Baum weiterhin sein Unwesen, sodass das Problem bald nicht mehr zu übersehen ist: Der Baum muss weg. Oskar soll das erledigen. Und so wird der sich einst nutzlos fühlende Müllmann zum Superhelden der Stadt: Durch seinen mutigen Einsatz wird der Baum auf eine Müllhalde nahe Hildesheim gelockt, wo er weiterhin sein Unwesen treibt, womit die Stadt glücklich und zufrieden bis an ihre Lebensende weiterleben kann...

Und somit erhält das Stück eine Facette, die zum Nachdenken anregt: Sobald der Baum nicht mehr das direkte Problem der Stadtbewohner ist, gerät er in Vergessenheit. Und mal ehrlich: geht uns das mit vielen anderen Dingen im Alltag nicht genauso? Tangieren uns die Dinge, die sich nicht unserer direkten Gegenwart abspielen nicht eher wenig? Sogar, wenn es ein mysteriöser Baum ist, der möglicherweise die ganze Welt verschlingen könnte...

Die einzigartige Kombination aus Theater, Tanz und Musik, Komik und schaurig schöner Horrorgeschichte, die Ricarda Sohr (Regie) und Thomas Benner (Regie) zusammen mit der Theater-AG der Mittelstufe und weiteren Kollegen auf die Bühne gebracht haben, macht eine große Begeisterung des Publikums möglich. Eingeschobene Tanz- und Gesangseinlagen seitens der Schauspieler werden zu den Highlights des Abends, die durch die Musikstücke der Band untermalt werden. Und wieder einmal ist (wenn auch erst nach zweimaligem Hinschauen) ein bekanntes Gesicht aus dem Kollegium zu entdecken: Frau Wilke-Kluge überzeugt in der Rolle der quirligen Frau Filmriss, die die engagierte Reporterin Frau Krachmaker mit nötigem Bildmaterial versorgte und so das Geschehen in der kleinen Horrorstadt in Szene setzte.