Michelsenschule Hildesheim - Tansania

Karibuni – Willkommen in Tansania

Entwicklung der Schulpartnerschaft

Seit 1986/1987 unterhält die Michelsenschule eine Partnerschaft mit der Moringe Sokoine Secondary School in Monduli, einer kleinen Stadt im Norden Tansanias. Die Schule ist eine kirchlich getragene Internatsschule und, genau wie die Michelsenschule, landwirtschaftlich ausgerichtet. Sie wird von ca. 500 Schülern besucht, etwa die Hälfte davon sind Massai, Angehörige des dort ansässigen Volksstammes. Die MSSS wurde vom damaligen Ministerpräsidenten Moringe Sokoine, selbst ein Massai, bewusst am Rande des Massaigebietes gegründet, um die Bildungschancen dieses Hirtenvolkes zu verbessern. 

Bereits sechsmal besuchte eine Gruppe von Oberstufenschülern und Lehrern die Partnerschule und lebte dort längere Zeit mit den Freunden zusammen. Durch diese Reisen wurde die Verbindung zu unseren Partnern weiter gefestigt und vertieft. Im Sommer 2000 freuten wir uns, endlich eine Gruppe afrikanischer Schüler bei uns begrüßen zu dürfen. So konnten wir einen Teil der Gastfreundschaft zurückgeben, die wir selbst in Afrika erfahren haben.

In 2005, 2008 und 2011 gelang es, den gegenseitigen Austausch weiter zu intensivieren. Immer im Sommer dieser Jahre erhielt die Michelsenschule tansanischen Besuch. 2008 konnten so zwei Lehrer der MSSS die aufregenden Feierlichkeiten anlässlich unseres 150-jährigen Schuljubiläums miterleben. In 2011 durften wir neben Lehrern auch zwei Schüler unserer Partnerschule begrüßen, die drei Wochen lang unser Schulleben bereicherten. In denselben Jahren starteten von Lehrkräften begleitete Schülergruppen der Michelsenschule jeweils im Herbst zu Gegenbesuchen nach Monduli. Die Planungen für weitere gegenseitige Besuche laufen.

 


 

Tansania-Fahrt 2017

Im Mai 2017 empfing die Michelsenschule sechs Schüler und zwei Lehrer der Moringe Sokoine Schule aus Tansania für drei Wochen in Hildesheim.

Am 21. September dann brachen wir, die 14 Schüler und 3 Lehrer starke „Tansania-Austausch-Gruppe“ zum Gegenbesuch nach Tansania auf. 

Die große Aufregung am Morgen unseres Abfluges ließ die Uhrzeit, vier Uhr morgens, gänzlich vergessen. Nach einem herzlichen Abschied von diversen Eltern ging es zunächst in die niederländische Hauptstadt und dann weiter gen Afrika.

Am Kilimanjaro-Airport bei Arusha, Tansania, wurden wir zunächst durch etwas sehr Unerwartetes begrüßt – Regen. Ein Segen, ein gutes Zeichen, freute sich unser Empfangskomitee der Moringe Sokoine Secondary School. Menschen, Gepäck und noch mehr Menschen wurden in den schuleigenen Bus verpackt und wir traten eine letzte Fahrt bis zu unserem Ziel in Monduli, einem kleinen Städtchen bei Arusha, an. 

Nachdem die deutsche Gruppe sich am späten Abend auf die Gastfamilien aufgeteilt hatte, gab es am nächsten Vormittag ein Wiedersehen im Lehrerzimmer der Schule. Bei Tageslicht konnten wir die Umgebung mit ihren vielen dürren Bäumen und Sträuchern bewundern und wurden zum ersten Mal Zeugen eines Phänomens, das uns noch öfter begegnen sollte: der afrikanischen Gelassenheit mit der Zeit... 

Sie begleitete so gut wie alle Unternehmungen, die unsere Gastgeber so mit uns unternahmen. 

So besuchten wir beispielweise das Hauptquartier der East African Community (EAC). Sie ist eine zwischenstaatliche Organisation bestehend aus mehreren ostafrikanischen Ländern mit Hauptsitz in Arusha. Mag die Organisation auch vielen relativ unbekannt erscheinen, ist sie tatsächlich außer der EU die einzige Staatengemeinschaft ihrer Art mit einem gemeinsamen Parlament.

Ebenso beeindruckend, wenn auch ärmlicher erlebten wir unsere Begegnungen mit und in zwei Massai-Dörfern, genannt Massai-Boma. Staunend nahmen wir Gesang, Tanz und Feier sowie die Begeisterung über unsere schwach pigmentierte Haut zur Kenntnis. Keines der beiden Dörfer verließen wir, ohne dort gegessen zu haben. Das für uns zubereitete Ziegen- und Rindfleisch zu kosten sorgte bei manch einem für Schweißperlen auf der Stirn. 

Recht geschäftig waren die Menschen auf dem Monduli-Market, den wir gleich zwei Mal besuchten. Die Einheimischen können dort beinahe alles von Lebensmitteln über Kleidung und Musikboxen kaufen, wir interessierten uns vor allem für Schmuck, die vielen bunten Stoffe und sonstige Souvenirs. 

Auch für intensive Erlebnisse mit der Natur sorgten unsere Gastgeber. Sehr heiß und staubig war etwa unsere Wanderung in der Caldera, einem riesigen Krater wie in einer Marslandschaft. Begrünte Sträucher gab es höchstens am Boden des Kraters, ansonsten zierten die steinige Landschaft nur trockene Bäume und mächtige, beeindruckende Felsen. Ganz anders präsentierte sich die Natur am „Duluti“-See. Der See vulkanischen Ursprungs war ringsherum durch riesige, ausladende „Jungle-Bäume“ begrünt, in denen immer wieder Affen kletterten. Unvergesslich hier war auch unser Guide mit seinem Ausruf „It’s not an animal, it’s a bird“, der uns ansonsten jedoch recht kompetent umherführte. 

Noch näher kamen wir den heimischen Tieren während unserer Zeit in Monduli im „Snake-Park“, einem Zoo mit Schlangen, Krokodilen und Alligatoren. 

Mit am besten gefielen vielen von uns aber auch die Stunden mit unseren Austauschschülern in der Schule selber. Ob bei Besuchen in den Klassenräumen oder beim gemeinsamen Sporttreiben – die Freude und Geselligkeit der Afrikaner war stets ansteckend.

An unserem letzten Tag in Monduli besuchten wir dann noch eine andere Schule, die Massai Girls Lutheran Secondary School. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, minderjährige Massai-Mädchen davor zu retten, verheiratet zu werden und ihnen stattdessen Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Die Begegnungen hier zeigten uns, dass es insbesondere bei Frauenrechten noch immer enorme Rückstände in Tansania gibt.

Nach zehn Tagen hieß es dann Abschied zu nehmen von der Moringe Sokoine Schule, Monduli und den meisten der Schüler. Nach einer bewegenden Verabschiedung im Lehrerzimmer brachen wir noch am Vormittag nach Moshi, einer Stadt zu Füßen des Kilimanjaro, auf. 

In unserem Nachtlager, der Hartbeest View Lodge, angekommen, genossen wir zunächst einmal die erste richtige Dusche seit zehn Tagen. Der Komfort währte jedoch nur kurz, denn am nächsten Tag begann unsere Wanderung auf den Kilimanjaro. Während unser Gepäck in atemberaubenden Tempo von den Trägern hinaufgetragen wurde, nahmen wir uns viel Zeit, in etwa vier Stunden durch den grünen, feuchten Regenwald bis hinauf zur Mandara Hütte auf 2720 Metern zu wandern. Nach reichlich Tee und Abendessen fiel uns allen das Einschlafen in dem 17-Mann-Schlafsaal wenig schwer.

Am zweiten Tag lichtete sich der Wald zunehmend, bis wir uns eher in einer moorigen, mit Sträuchern bewachsenen Landschaft wiederfanden. Auch die Wolkendecke war nach ganzen sechs Stunden Wanderung nicht mehr über, sondern unter uns. In der Horombo Hut blieben wir nicht nur eine, sondern zunächst zwei Nächte. Der nächste Tag wurde nämlich als Akklimatisierungstag genutzt: Wir wanderten lediglich einen Teil der Strecke zur nächsten Hütte hinauf und gingen anschließend wieder hinunter zur Horombo Hut. Dieser Ruhetag war noch einmal sehr entspannend, bevor wir unseren finalen Aufstiegstag beziehungsweise die Aufstiegsnacht begannen. 

Alles begann morgens an der Horombu Hut. In noch einmal etwa sechs Stunden ging es etwa 1000 Höhenmeter hoch bis zur Kibo Hut. Kaum jemand hatte dort noch keine Höhenkrankheitssymptome, ein Mitglied der Gruppe hatte es überhaupt nicht bis dort geschafft. Nach etwas Tee versuchten alle gegen sieben Uhr Schlaf zu finden. Um zehn Uhr abends klingelten dann wieder die Wecker, sodass der Gipfelaufstieg beginnen konnte. Von der Höhenkrankheit und Anstrengung geplagt erreichten wir im Morgengrauen unser erstes Ziel, den Gilman’s Point. Weitere drei Personen hatten bis dorthin umkehren müssen. Nach einer kurzen Pause ging es dann noch zwei Stunden weiter, bis wir endlich das Dach Afrikas, den Uhuru Peak auf 5985 Metern erreichten. Ein tolles Gefühl, es geschafft zu haben! Gegen Mittag dann traten wir den Weg nach unten an. Nach einer kurzen Möglichkeit des Schlafaufholens ging es weiter hinunter in die Horombo Hütte. Nach einer Nacht dort ließen wir uns nur einen Tag für den letzten Abschnitt bis ganz nach unten Zeit.

Am Ende der Reise standen noch einmal drei Tage Safari auf dem Programm. Dank gleich zweier geplatzter Reifen kamen wir am ersten Tag etwas zu spät im Nationalpark Lake Manyara an. Er ist einer von 16 Parks in Tansania. Dennoch konnten wir zu unserer großen Freude Flamingos, Nilpferde und aus allernächster Nähe sogar eine Gruppe Elefanten erspähen. 

Doch dies war noch nichts im Vergleich zum Ngorogoro-Krater, den wir am nächsten Tag besuchten. Die Tiere können nur schlecht aus dem Krater herauskommen und die Wahrscheinlichkeit, sie zu sehen, erhöht sich enorm. Bereits beim Hinabfahren wurden wir von einem alten Elefantenbullen begrüßt. Unten angekommen kreuzte dann eine Herde von sehr vielen Gnus, darunter immer wieder Zebras, unseren Weg. Einer der Fahrer der Safari-Autos erzählte, es würden etwa 2000 Zebras im Park leben. Auch Löwen waren mitunter aus nächster Nähe zu sehen.

Den Abschluss unserer Safari bildete zuletzt der Tarangire Nationalpark. Neben den schon bekannten Tieren bekamen wir dort tatsächlich auch einen Leoparden zu sehen! Leider reichte es nicht ganz zu den „Big 5“, dennoch kamen wir den hiesigen Wildtieren in ihrer natürlichen Umgebung so nah wie nie zuvor. 

Nach einer weiteren Nacht in Moshi war auch schon unser letzter Tag in Tansania gekommen. Am späten Nachmittag traten wir unsere letzte Fahrt zum Flughafen Kilimanjaro Airport an. Dort trafen wir unsere Gastfamilien, Austauschschüler und einige Lehrer zu einem letzten „Farewell“. Nach wunderbaren drei Wochen, voll von Schönem, Erstaunlichem, Lustigem und Erschreckendem, fiel der Abschied von Land und Leuten vielen schwer. Um sieben Uhr abends dann hob unser Flieger ab und schon am nächsten Morgen konnten wir am Flughafen Hannover Familie und Freunde in die Arme schließen.

Pia Riepl-Bauer (Q1)
 

 

 

"You've got the watches, we've got the time" - Schüleraustausch Tansania, Oktober 2014

Abfahrt Hildesheim Hauptbahnhof 05:07 Uhr morgens. Die S-Bahn nach Hannover verlässt Hildesheim pünktlich. Auch wenn die Deutsche Bahn häufig gescholten wird, so sollte die Pünktlichkeit erst später ein Thema werden. Direkter Kulturkontakt hilft hier andere Kulturen verstehen zu lernen und auch die eigene aus einer anderen Perspektive zu betrachten. So wird scheinbar Selbstverständliches nach der Rückkehr ganz anders geschätzt. Ob Schwarzbrot, elektrischer Strom rund um die Uhr oder ein Duschkopf der auch Wasser spendet.

Die Woche an der Moringe Sokoine Secondary School war für uns eine wirklich besondere Erfahrung. Die Möglichkeit das Leben und den Alltag in der Schule und vor allem in den Familien in diesem für uns doch völlig fremden Kulturkreis mitzuerleben, war einmalig. Auf einer privaten Reise wird einem dieser Einblick nur äußerst selten gewährt. 

Neben dem Besuch des Unterrichts in Klassen von über 60 Schülern und der gemeinsamen Teepause und des Mittagessens standen für uns auch einige Ausflüge auf dem Programm: das Grabmal des ehemaligen Präsidenten und Gründers der Schule Moringe Sokoine, die Caldera von Moita, den Hauptsitz der East-African-Community in Arusha und verschiedene lokale Märkte.

Die geplanten Abfahrten zu den Ausflügen verzögerten sich zum Teil erheblich, sodass sich etwas Unzufriedenheit und Unverständnis in unserer Gruppe breit machten, so wollten wir doch unsere begrenzte Zeit hier nicht mit Warten verschwenden. Doch Mr. Kwayu Ndesamburo, der Schulleiter, sagt dazu nur: "You've got the watches, we've got the time". Hier lägen nun einfach gewisse kulturelle Unterschiede.

Nach einer ereignisreichen Woche wurden wir herzlich in Richtung "Dach von Afrika" und Safari verabschiedet. Aber nur vorläufig. Vor unserem Abflug sollte es noch einmal ein gemeinsames Abendessen in Arusha geben und eine für die meisten wohl endgültige Verabschiedung am Kilimanjaro Airport, bei der auch noch einige Tränen fließen sollten.

Am nächsten Tag wurden die Schüler nach langer, aber unkomplizierter Rückreise von den Eltern am Flughafen Hamburg Fulsbüttel abgeholt. So hatte der Streik der DB letztlich sogar etwas Gutes, da wir nun früher als geplant wieder zurück in Hildesheim sein konnten. 

Abschließend möchte ich mich bei meinen Kollegen Karina Hooß und Mai Renziehausen und vor allem auch bei unseren Schülern für das gute Gelingen dieser Reise bedanken. Der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit in der Gruppe war stets harmonisch und konstruktiv.

Johannes Zahn, November 2014

 


 

Erinnerungen an unseren Besuch der Moringe Sokoine Secondary School (Monduli, Tanzania) im Oktober 2011

Das Aufregendste in diesem Jahr: Für uns (Schülerinnen und Schüler wie auch die begleitenden Lehrkräfte) hieß es »Karibuni« – Willkommen zu Hause bei den Lehrern der Internatsschule: Wir für eine Woche ein Teil einer afrikanischen Familie! So konnten wir verschiedenste kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten beobachten und zugleich mittendrin dabei sein: gemeinsam die typischen (wenn auch für uns Gäste besonders ausgewählten) Gerichte essen, lernen, wie man das leckere »Chapati« zubereitet, Magnet sein für die kleineren Kinder, mit denen wir so unbekümmert und angeregt spielten und sprachen, und das ohne Englisch als gemeinsame Sprache nutzen zu können. Anknüpfend an Präsentationen der deutschen Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Unterrichts – michelsentypisch auch zu Fragen der Landwirtschaft im Laufe der Jahreszeiten – war mit den Gleichaltrigen dann ein umso regerer sprachlicher Austausch da. Ein besonderes Erlebnis war der Besuch bei Edwins Familie im Massai-Dorf. Nun auch die Familie und die Lebensbedingungen desjenigen kennen zu lernen, der uns aus seinem Besuch in Hildesheim so vertraut war, berührte jeden ganz außerordentlich. So viel Gastfreundschaft und interessante, anschauliche Erklärungen regten unsere Kreativität an, auf vielen Wegen das Schulgeld für Edwin weiterhin zu finanzieren, so dass er und auch sein jüngerer Bruder zur weiterführenden Schule gehen können. – Das ermöglicht zu bekommen, wurde uns augenfällig, ist nicht überall selbstverständlich… und durch unsere Aktionen kann dies auch denjenigen in der Michelsenschule deutlich werden, die nicht in Tanzania waren. 

 

Eindrücke von unserem Besuch aus Tansania im Juni 2014

Partnerschüler der Michelsenschule aus Tansania stellten sich und eine Teil ihrer Kultur vor. Das Michaelis-Weltcafe wurde wieder einmal seinem Namen als kulturelle Begegnungsstätte gerecht.

Das Weltcafe war bis auf den letzten Platz besetzt, als die zwischen 15 und 20 Jahre alten Schüler aus Monduli eine Einblick in ihr Leben gaben, dass trotz aller anderen Umstände dem eines Schülers in Hildesheim nicht so unähnlich ist. Sie berichteten, dass auch afrikanische Schüler einen langen Arbeitstag haben. Er beginnt um 6.00 Uhr am Morgen mit gemeinsamem Aufwachen, denn die Schüler leben in großen Schlafsälen auf dem Schulgelände. Ihre Eltern wohnen so weit entfernt, sind teilweise sogar nomadische Hirten, so dass ein täglicher Weg zur Schule nicht möglich wäre. Ja, manchmal ist sogar eine Reise in den Ferien zu den Eltern unmöglich, weil niemand weiß, wo sich diese gerade aufhalten. Gegen 10.00 Uhr am Abend endet der lange Arbeitstag, der hauptsächlich aus Schule und Lernen besteht; auch hier dem Tagesablauf eines Michelsenschülers  nicht so unähnlich. Lediglich dort, wo in Hildesheim Chatten oder Abhängen mit Freunden auf dem Programm stehen, müssen die Schüler in Monduli ihre Schlafräume reinigen oder ihre Wäsche waschen. Und hierfür stehen keineswegs Maschinen zur Verfügung, sondern es ist Handarbeit angesagt.

Auch die Berufswünsche der tansanischen Jugendlichen sind denen ihrer deutschen Freunde nicht unähnlich: Arzt, Pilot oder Ingenieurin werden genannt. Lediglich Farmer will niemand werden, weil fast jede Familie einen eigenen Garten zur Selbstversorgung besitzt und tägliche Gartenarbeit auch in Tanzania als ziemlich „uncool“ gilt.

Eine der Aktivitäten in der raren Freizeit der tanzanischen Jugendlichen ist gemeinsames Singen. Wie gut sie das können und welch voluminöse Stimmen sich dabei quasi von selbst herausgebildet haben, konnten die Gäste im vollbesetzten Weltcafe erleben. Jede einzelne Stimme wäre in der Lage gewesen, den Raum bis zum letzen Winkel zu füllen. Gemeinsam begeisterten Sie ihre Zuhörer um so mehr. Dabei legten die Schüler Wert darauf, nicht nur die folkloristische Seite ihres Landes zu zeigen, sondern auch die moderne. Im ersten Teil der Veranstaltung traten sie in typischer Massai-Kleidung auf und sangen in der Sprache der Massai. Für die modernen Texte in Suaheli wählten sie ihre normale Straßenkleidung. Während die ersten Stücke religiösen Inhalts waren, ging es in den Suaheli-Texten mehr um Freundschaft, Liebe und Verbundenheit. Themen also, die auch einen Michelsenschüler beschäftigen.

Die Besucher im Weltcafe haben den Abend sehr genossen, dabei war er nur ein Vorgeschmack auf zwei größere Auftritte in der Aula der Michelsenschule am 29.6. und in der Christuskirche am 6.7., jeweils um 17.00 Uhr.

Von den Lehrern erfuhren die Besucher, weshalb Tansanis ein so friedliches Land ist. Keine der über 100 Sprachen ist groß genug, dass sie dominant werden könnte. Und mit der Einführung der Gemeinschaftssprache Suaheli ist es dem damaligen Staatspräsidenten Julius Nyerere gelungen, ein alle Menschen verbindendes Element zu etablieren. Heutzutage wird ganz selbstverständlich über Stammesgrenzen hinweg geheiratet, so dass schon aus familiären Gründen keine ernsthaften Konflikte mehr auftreten können. Dieses friedliche Zusammenleben hat Tanzania zu einem prosperierenden Land gemacht, das in den letzten Jahren durchschnittlich stolze 8% Wirtschaftswachstum verbuchen konnte. Einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren ist der Tourismus, immerhin weist das Land mit der Serengeti und dem Kilimanjaro zwei der weltweit bekanntesten Landschaften auf. Zunehmend kommen aber auch Bergbau und Landwirtschaft hinzu. Kaffee und Tee sind bei uns bekannte und geschätzte Produkte. Dass aber auch viele Schnittblumen, die uns unsere Floristen anbieten, aus diesem afrikanischen Land kommen dürfte nur den wenigsten bekannt sein.